Das „Dürnkruter“ Würferl


Eine Geschichte von Angelika Krämmer gewidmet Fam. Lautner aus Dürnkrut


Als der liebe Gott daranging die Anzahl der Tiernachkommenschaft zu bestimmen, erfand er ein Ding, das aussah wie ein gleichseitiger Quader. Jede, der sechs Seiten bekam eine Anzahl von Punkten, denn das galt dann  international auf der Erde, egal welches Zahlensystem man dort verwendete. Punkte von 1 bis 6. Er nannte sie nach ihrem Zweck der Wurfbestimmung  „Würfel“. Er war sehr zufrieden mit dieser Erfindung und machte ein paar Stück davon. Und je nachdem welches Tier Nachwuchs  erwartete wurden diese gleichseitigen Zahlenquader von einem zuständigen Engerl dem lieben Gott vorgelegt. Dieses Engerl bekam den Namen Würferl. Der liebe Gott würftelte, wann immer auf Erden Nachwuchs erwartet wurde, mit einem, zwei oder mehreren Würfel und so wurde die Anzahl der Wurfgeschwister bestimmt und vom Würferl in ein Nachwuchsbuch eingetragen. Bei den großen Säugetieren und bei den Menschen wurde immer nur ein Würfel verwendet, bei kleineren, wie Hunden und Katzen, zwei und bei Fischen z.B. wurden gar mehrere Würfel verwendet. Würferl war ein lebhaftes und sehr junges Engerl, es war kleiner und dem lieben Gott sehr ans Herz gewachsen. Eines Tages geschah dem Engerl ein Versehen. Bei Familie Lautner, einer Züchterfamilie für Golden Retriever, wars an der Zeit für ihre Hündin Sina die Welpenanzahl zu bestimmen. Würferl war an diesem Tage sehr aufgeregt, denn heute gabs besonders viel Nachwuchs auf Erden und so geschah es, dass das Würferl dem lieben Gott, statt zwei, nur einen Würfel vorlegte. Er würfelte aber, Gott sei Dank, eine 6 und so viel es ihm nicht auf, dass ein Würfel für Sina’s Wurf fehlte. Auch Würferl merkte den Fehler erst beim Eintrag ins Nachwuchsbuch. Da plagten es schlimme Schuldgefühle den wartenden Menschen gegenüber.  Es wollte das Versehen wieder gut machen, dachte nicht lange nach und schlüpfte schnell in die Gestalt eines Hundewelpen. Es schummelte sich, bei Geburt der Welpen in  Sina’s Kinderschar.
Inzwischen wurde aber schon im Himmel eifrig nach dem Würferl gesucht. Der liebe Gott, der es sosehr ins Herz geschlossen hatte, war besorgt, weil es nirgends zu finden war. Erst als ein Welpchen, dass schon in Sina’s Bäuchlein verstarb, im Himmel ankam und berichtete, war klar wo Würferl steckte. Schnell kam der liebe Gott diesem Würfelfehler auf die Schliche. Er war nicht böse, zu sehr freute er sich, dass er Würferl wiedergefunden hatte.  Eines montags rief Gott das Würferl und sagte ihm, dass es keine Strafe zu erwarten hatte, aber Betrug ist Betrug und es mußte wieder zurück. Es half alles nichts. Die Familie aus Dürnkrut war sehr traurig, als sie noch einen Welpen von Sina verloren, denn sie wußten ja nicht, daß sie zu ihren sechs Welpen ein Engerl aufzogen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Durch Würferls Reise auf die Erde nach Dürnkrut, entstand aber ein göttliches Lichtband für immer mit dieser Familie und da Engerln nicht sterben, wird es für immer weiterbestehen.